Achtsamkeitspraxis für Skeptiker

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Achtsamkeit, Gewahrsein, Meditation, Begriffe, die allzu rasch dem Bereich der Religionen und Esoterik zugeordnet werden.  

Die Folge: Eine ablehnende Haltung. 

Das ist schade, weil mit Achtsamkeitspraxis signifikant erfolgswirksam den postmodernen Herausforderungen entgegengetreten werden kann.

  • Achtsamkeitspraxis fördert die Leistung, die Konzentration, die Wahrnehmung, die Kommunikation, die Innovation und Intuition. Achtsamkeitspraxis kann als Methode der Selbstregulation gesehen werden.

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Im Spitzensport wie auch in der Medizin und der Psychologie wird Achtsamkeitspraxis erfolgswirksam zum Einsatz gebracht. Die Wirkungsweisen von einer solchen Praxis lassen sich mit Hilfe moderner neurowissenschaftlicher Verfahren objektiv und aussagekräftig darstellen.

Gewahrsamkeitsübungen führen zu einer psychophysischen Entspannung, durch welche sich die Wahrnehmungskompetenz  auf körperlicher und mentaler Ebene erweitert. Des Weiteren verbessert sich die Fähigkeit, bewusst aktiv zu handeln, anstatt unbewusst spontan zu reagieren. [1]

Achtsamkeitspraxis aktiviert das Wachstum von Nervenzellen. Das wirkt wiederum zurück auf die Wahrnehmungskompetenz und das Körperempfinden, stärkt das Selbstvertrauen und das Gespür für zukunftssichernde Denk- und Entscheidungsprozesse.

Die Bedeutsamkeit von Körper, der Körpersprache und der Körpersignale wird jedoch meist unterschätzt. Dabei spielen Körpersignale bei Entscheidungsprozessen eine äußerst wichtige Rolle. Studien belegen, dass Personen mit einer schlechten körperlichen Selbst- und Fremdwahrnehmung (das läuft Hand in Hand) risikoreich, inadäquat und fehlerhaft entscheiden. [2]   

 

Mindful Leadership

Um jedoch in den Genuss der Leistungssteigerung durch Achtsamkeitspraxis zu kommen, bedarf es zuerst einmal der Disziplin beziehungsweise der Motivation, sich einem solchen Training anzuvertrauen. Es gibt unzählige Achtsamkeitspraktiken. Doch bestimmte Aspekte sind essentiell:

  • die regelmäßige Übung,

  • das Körpergewahrsein durch bestimmte Körperhaltungen, insbesondere einer aufrechten Körperhaltung und

  • das mentale Gewahrsein, das bewusste Beobachten der Gedanken ohne darauf zu reagieren. 

Damit ist gemeint, der eigenen Ego-Antriebs-, Reaktionsmuster bewusst zu werden, und nicht mehr ständig von diesen wie ein Sklave zum Reagieren genötigt zu werden. Den Atem als Gewahrsamkeitsvehikel zu nehmen ist dabei, speziell als Übungsanfänger, sehr hilfreich. Der Atem lässt sich leicht beobachten. Der Atem zeigt sehr deutlich, wie es einem gerade geht, ob man mühsam nach Luft ringt, oder unbeschwert tief ein- und ausatmen kann. Anhand des Atems wird einem deutlicher bewusst wie hoch der Stresspegel tatsächlich ist.

Oft lässt sich der Stress gar nicht mehr wirklich wahrnehmen. Es scheint, als ob es normal wäre flach, schnell und unregelmäßig zu atmen. Die Folgen sind unumstritten. Durch die Achtsamkeitspraxis kann der Stresspegel nachhaltig wirksam gesenkt werden, und ein adäquates Verhalten nachhaltig wirksam greifen. [3]

Doch ein Faktum lässt Gewahrsein erfolglos werden – Ehrgeiz. Achtsamkeitspraxis bedarf den Mut, die Kontrolle, das Erfolgsstreben und Erwartungsdenken während der Zeit der Praxis frei zu geben. Das heißt, gedanklich nicht mehr den aufkommenden Impulsen zu folgen, sondern die Impulse wie die Wolken am Himmel ziehen zu lassen. Das ist ausgesprochen schwierig, aber sehr, sehr lohnend.

Gerade dieses Festhalten von erfolgsstrebenden, planend kontrollierend wirkenden Gedanken bringt Körper, Psyche und Geist in eine Überspannung, und damit in eine nicht ausbalancierte Führungs-, Entscheidungs- und Durchführungshaltung.  

Mag sein, dass jetzt der Skeptiker in Ihnen voll in Fahrt kommt. Erfolgsstreben und Kontrolle aufgeben, Ehrgeiz ziehen lassen, das beunruhigt.

  • Wie ist das gerade bei Ihnen?

  • Regt sich in Ihnen schon der Widerstand? 

Wenn ja, dann haben Sie intuitiv verstanden, wie kraftvoll Achtsamkeitspraxis wirkt. Diese Kraft können Sie nutzen. Wagen Sie es das Potential der Achtsamkeit in Ihnen zu reaktivieren und zum Wirken zu bringen. Sie als Führungspersönlichkeit sind dazu prädestiniert, neue Wege auszuprobieren und als Vorbild für andere wirksam zu werden. [4]

Führung und Achtsamkeit (als religiös verstandene Komponente) waren ursprünglich miteinander verbundene Eigenschaften. Erst im Laufe der Geschichte hat sich die spirituelle Komponente von dem weltlich begrifflichen Denken und Handeln gelöst. So dachte man lange in der Kategorie der drei P‘s: People, Planet, Profit. Aktuell tritt ein neues P in Erscheinung, das Pneuma, der Lebensatem, der für eine spirituelle Intelligenz steht. [5]

Je nach Entwicklungsgrad dieser spirituellen Komponente zeigt sich entsprechend eine nachhaltig verantwortungsbewusste Handlungsweise.

Für viele Führungskräfte zählt jedoch viel mehr der Aspekt, wie mit dem täglich wachsenden Berg an Komplexität erfolgswirksam umgegangen werden kann. Die tägliche Unwissenheit steigt. Wie sollen bei all der Unwissenheit und stetig steigenden Komplexität richtige Entscheidungen getroffen und verlässliche Ergebnisse erreicht werden? Ein kunstvoll strategisches Wirken genügt nicht mehr. Es bedarf intuitiver-kreativer Einsichten. [6, 7] 

Diese Einsichten lassen sich weder in Strategiemeetings noch in Prozessoptimierungen erarbeiten, diese Einsichten lassen sich nur in einer verbesserte Wahrnehmungskompetenz erwirken.

 

Und wieder sind wir bei einem Punkt, wo Zweifel bezüglich einer Achtsamkeitspraxis und deren Wirkungsradius einsetzen könnte.

  • Wie sehen Sie das jetzt im Moment? 

Jede widerstrebende Reaktion ist verständlich, doch erschwert es nur die Entwicklung für zukünftig relevante Einsichten und Fähigkeiten von Führungspersönlichkeit. Beunruhigung und Widerstand kann jedoch auch gut mit Inspiration gemeinsam wirken. Das ist ebenfalls ein unglaublich hilfreicher Aspekt der Achtsamkeitspraxis.

Es gibt kein Entweder-Oder, sondern ein Sowohl-als-Auch. Die Kontrolle ist ein erdachtes Konstrukt der Menschen, die laut neuesten Erkenntnissen der Quantenphysik in keinem System tatsächlich kontrolliert zu wirken vermag. Auch das Hirn arbeitet nicht in einer mechanistisch geglaubten Weise, sondern ist ein dynamisches, kreativ schaffendes System in einer Komplexität, die man nur grob zu fassen vermag. Es wird häufig von dem IQ, dem Intelligenzquotienten gesprochen, aber das Hirn leistet weit mehr als das was mit dem IQ gemessen werden kann.

Da existiert beispielsweise neben vielen anderen Intelligenzen auch ein spiritueller Intelligenzbereich. Man spricht auch von der innovativen Intelligenz, die vermutlich bei den meisten westlich sozialisierten Menschen mehr Zustimmung und auch positive Wirkungskraft erfährt. [8]

Achtsam denken heißt, die Komfortzone, das vertraute Denk- und Handlungssystem zu verlassen, und die Grenzen der eigenen Meinungen und eigenen Standpunkte zu erweitern. [9]

Daraus erwächst Inspiration und Innovation – die entscheidenden Maßnahmen, um in Zukunft entscheidungskräftig, erfolgsversprechend und bejahend wirken zu können.

 

 

[1] Vgl. Ott, Ulrich: Meditation für Skeptiker. Ein Neurowissenschaftler erklärt den Weg zum Selbst. München: O.W. Barth. 2010. S.16. 
[2] Vgl. Ott, Ulrich: ebd. S.65f.
[3] Vgl. Ott, Ulrich: ebd. S.71f, S.154f.
[4] Vgl. Jäger, Willigs; Kohtes, Paul J.: zen@work. Manager und Meditation. Einzigartige Erfahrungsberichte aus der Führungsetage. Bielefeld: J. Kamphausen Verlag. 2009. S.1
[5] Vgl. Jäger, Willigs; Kohtes, Paul J.: ebd. S.33f.
[6] Vgl. Jäger, Willigs; Kohtes, Paul J.: ebd. S.54f.
[7] Vgl. Senge, Peter M.; u.a.: Die notwendige Revolution. Wie Individuen und Organisationen zusammenarbeiten, um eine nachhaltige Welt zu schaffen. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag. 2011. S.108.
[8] Vgl. Jäger, Willigs; Kohtes, Paul J.: ebd. S.62fff.
[9] Vgl. Senge, Peter M.; u.a.: ebd. S.208.

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