Führungskraft/-persönlichkeit

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Eine Begriffsdefinition

Der deutsche Begriff „Führungskraft“ suggeriert Stärke und Überlegenheit, aber auch Verführung und Manipulation. Vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts hat der „Führer“ als solcher eine schlechte Konnotation und steht u.a. als Synonym für: Alleinherrscher, Anführer, Diktator, Machthaber, Regent, etc.

„Führungs-Kräfte“ agieren oft nach physikalisch, mechanischen Gesetzen und werden an kraftvollen Taten gemessen. Die Kraftübertragung findet dabei gleichsam automatisch statt unter Zuhilfenahme von „Führungsmethoden“, Kommunikationstipps und Tricks aus der Psychologiekiste, bis hin zur unlauteren Manipulation.

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Aber auch die „Führungs-Kräfte“ selbst werden manipuliert durch ihre Anreiz- und Steuerungssysteme (Bonifikationen), welche auch trivial ausgerichtet sind. Im Vertrieb sind diese Anreiz- und Steuerungssysteme sogar oft das wesentliche, mitunter einzige „Führungsinstrument“. Die Qualität der Führung bemisst sich dann oft einzig an dem erreichten Umsatz- bzw. Ertragsergebnis, für welches sich die charismatischen „Führungspersönlichkeiten“ feiern lassen.

Die „Führungskultur“ in manch einem Unternehmen ist dabei geprägt von Missmanagement, Seilschaften und blinder Loyalität, in welcher Fehlentwicklungen lieber verschwiegen als korrigiert werden. Denn noch immer werden Initiativen für gute Unternehmensführung belächelt oder als Feigenblatt vor dem eigentlichen Geschäftemachen angesehen.

Im deutschen Sprachraum existiert der „Führer“ sonst nur noch im Zusammenhang mit spezifischen Tätigkeiten oder Eigenschaften: Reiseführer, Fremdenführer, Lokführer, Geschäftsführer, Rädelsführer,… Außerhalb unser germanophonen Welt wurde „der Führer“ zum Terminus technicus des menschenverachtenden Diktators.

Die direkte Übersetzung des Führers ist der französische „guide“. Er ist ein erfahrener Begleiter und führt Personen durch ihnen unbekanntes Gelände. Sein Vorsprung ist Erfahrungswissen und besteht aus Vorkenntnissen in einem bestimmten Gebiet oder Erfahrungen mit dem Gelände. D.h. ein „guide“ kennt sich aus. Er verfügt aber auch über das notwendige Transferwissen und Können, um sich, und die Gruppe, sicher in unbekanntem Gelände zu bewegen: Karten lesen, Himmelsrichtungen bestimmen, die Orientierung beibehalten, Gefahren erkennen, … Er gibt den Mitgliedern der Gruppe damit Sicherheit und Orientierung.

Auch der englische Leader ist positiv besetzt. Er ist der mutige, verantwortungsbewusste Anführer einer Gruppe und hat eine Vorbildfunktion.  Das Verb „to lead“ wird im Sinne von anleiten, Initiative ergreifen, neue Wege weisen, an der Spitze stehen, mutig voranschreiten, jemanden mit guten Beispiel vorangehen und Verantwortung übernehmen gebraucht.

 

 

Wortschatzportal Uni-Leipzig http://wortschatz.uni-leipzig.de/ 2013-02-12
Rémi Denoix: Verwurzelte Führungspersönlichkeiten; in: Leila Adjemi: Wurzeln Ein Lebensbuch; Klöpfer & Meyer Verlag,   2012, S. 212
Kindermann, Klemens: Wahrheit tut weh – ist aber nötig http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kommentar/1947324/ 2013-02-12
Wortschatzportal Uni-Leipzig http://wortschatz.uni-leipzig.de/ 2013-02-12

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