Innovate, adapt or die

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Der Fotokonzern Eastman Kodak hat nach über 130 Jahren im Januar 2012  Insolvenz angemeldet. In den vergangenen neun Jahren schloss Kodak 13 Fabriken und 130 Labore.  47.000 Arbeitsplätze wurden gestrichen. Und seit 2008 schrieb das einst so stolze Unternehmen rote Zahlen. [1]

 

Was war geschehen?

Kodak, der Foto- Pionier, war in der Vergangenheit der Schrittmacher, Innovator seiner Branche und hatte die analoge Fotografie entscheidend geprägt.  Erfindungen, wie die des Fotofilms und des Kleinbildformates, hatten das Traditionsunternehmen reich gemacht. Kodak hatte eine Vorreiterrolle in seiner Industrie übernommen.

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Zwar war das Unternehmen an den Anfängen der digitalen Fotografie beteiligt, kam mit dem Wechsel zu den digitalen Bildern jedoch nie klar. Es verpasste schlicht den Anschluss an die Modernität. Erst als das klassische Geschäft mit Filmen schon eingebrochen war, versuchte der Konzern mit Digitalkameras eine breite Kundschaft zu erreichen. [2]  

Das Management hatte bei der Fahrt in Richtung Zukunft nur in den Rückspiegel geschaut. Das Unternehmen versäumte oder ignorierte fast jeden wichtigen Hinweis, in welche Richtung sich die Branche entwickelt. In Zeiten wo es schick und notwendig war über Blende, Belichtungszeit etc. zu philosophieren, konnte sich keiner der verantwortlichen Manager vorstellen, dass bald mit jedem Handy semiprofessionelle Bilder an jedem Ort geschossen werden können. 

Der einstige Branchenprimus versäumte seine Industrie neu zu erfinden und seine eigene Konzernstrategie zu erneuern. Kodak mutierte vom Vorreiter zum Nachahmer und erlag seinem Schicksal.

  

Ein Einzelfall?

Bei weitem nicht. Shell führte dazu bereits im Jahre 1983 eine Studie über die Lebenserwartung der Fortune 500 Unternehmen aus dem Jahre 1970 durch. Danach waren:

  • 1/3 der Fortune 500 Unternehmen bereits nach 13 Jahren wieder verschwunden

  • die durchschnittliche Lebenserwartung aller Fortune 500 Unternehmen lag bei 40…50 Jahren, und

  • nur 27 Unternehmen hatten eine Lebensdauer von mehr als 100 Jahren. [3]

Eine jüngere Studie, im Auftrag der Stratix Gruppe, beziffert die durchschnittliche Lebenserwartung von allen Unternehmen aus Japan und Europa, unabhängig von ihrer Größe, auf nur 12,5 Jahre. [4] Das Erschreckende: Die Halbwertszeit des Scheiterns nimmt ab und einstige Schrittmacher ihrer Branche sterben aus oder stehen kurz davor. Lehman Brothers, Man Roland, AOL, Arcandor, Woolworth, Saab, Quelle und Qimonda seien hier stellvertretend genannt. 

 

Wo liegen die Ursachen?

Bei jedem Unternehmen ist die Situation speziell und die Ursachen in der Regel nie monokausal. Es findet sich fast immer ein ganzes Ursachenbündel, bzw. ein Aufschaukeln der einzelnen Ursachen und deren Wirkung. 

Drei Fehler sind in so gut wie allen betroffenen Unternehmen anzutreffen:

  • das Fehlen einer systematischen Prognose und Beurteilung der Zukunft,

  • dem menschlichen Fehlverhalten in Krisensituationen und

  • einer fehlenden Innovationskultur 

Prognosen sind schwierig, besonders wenn es um die Zukunft geht.  Wer in die Zukunft blicken will kann dies auf zweierlei Art tun: erstens indem er am Bestehenden entlangdenkt und die Gegenwart einfach ein wenig ins Morgen extrapoliert. So lassen sich kleine Fortschritte, aber keine wirklichen  Durchbrüche erzielen. Dies führt in der Regel zu technischen Verbesserungen, Effizienzgewinnen etc. 

Weitaus spannender ist die zweite Art von Prognosen: jene, die völlig Neues vorhersehen; unerwartete Ereignisse und Erfindungen also, die das Zeug haben, den Lauf der Dinge zu verändern. In der Regel scheint ihr  Auftreten für undenkbar, bis man plötzlich mit ihrer Existenz konfrontiert wird.  „Schwarze Schwäne“  hatte sie der Statistiker und Philosoph Nassim Nicholas Taleb genannt. 

Die Geschichte kennt viele „Schwarze Schwäne“: die Entdeckung Amerikas, die erste Kernspaltung, den Zufallsfund des Penicillins, die Terroranschläge vom 11. September 2001, die Erfindung des World Wide Web, die globale Finanzkrise oder das Atomunglück von Fukushima – lauter welterschütternde Ereignisse, die kaum jemand kommen sah. [5]

  

Lieber nach Plan scheitern, als mit kreativen Lösungen Erfolg haben

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[1] vgl. Zeit Online; Kodak stellt Insolvenzantrag; 19.01.2012 http://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2012-01/kodak-foto-insolvenz/komplettansicht
[2] Süddeutsche.de; 19.01.2012 http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/fotopionier-beantragt-insolvenz-kodak-ist-pleite-1.1261547
[3] vgl. Geus: Jenseits der Ökonomie (1998), S. 19f 
[4] vgl. ebenda
[5] vgl. Zeit Online; Ein Jahr voller Joker; 05.01.2011 http://www.zeit.de/2011/02/Wissen-Prognosen.

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