Intuition

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Intuition ist weder geheimnisvoll noch mystisch noch esoterisch. Mit diesem Vorurteil verbaut man sich, insbesondere in der Wirtschaft, die Chancen Herausforderungen, Veränderungen, Changemanagement erfolgswirksam zu beeinflussen. [1]

Intuition beeinflusst das tägliche Leben, den Wirtschaftsalltag weit mehr als das rationale Denken. Daniel Kahneman, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften 2002, spricht von der Intuition von dem schnellen, unmittelbaren Wissen. Im Vergleich zum intuitiven Wissen ist das logische Denken anstrengend, aufwändig und langsam.

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Im Kopf agieren zwei Wahrnehmungssysteme, das Chefsystem, welches für das rationale Bewusstsein, für die Logik und Analyse steht, und das unbewusst, kreative, assoziative, gefühlsbezogene, ganzheitlich ausgerichtete Bewusstsein.

Das unbewusst, gefühlsbezogen agierende System darf jedoch nicht mit dem Freudschen Unbewussten verwechselt werden, sondern agiert als adaptives Unbewusstes und ist enorm hilfreich und effizient. Die Intuition bezieht sich unter anderem auf die reale Umwelt, auf das was auf den jeweiligen Menschen einwirkt und eingewirkt hat. Die Intuition ist der Speicher aller Erfahrungen, die unterschwellig auf jede Entscheidung einwirken. Auch wenn versucht wird sehr rational zu agieren, ist es nicht möglich das intuitive Wissen zu übergehen. Das geht schon deshalb nicht, weil das intuitive Wissen weit schneller agiert als das rationale Wissen. Das löst im Mandelkern, im emotionalen Kontrollzentrum des Körpers im Zwischenhirn, Aktionen aus, wobei der Neokortex, das bewusste Denken umgangen wird.

Das heißt, der Neokortex hat nicht die Möglichkeit bewusst zu entscheiden und sich zu äußern. Das emotionale Zentrum ist schneller. Nur mit viel Übung ist es möglich, der Übermacht des intuitiven Gefühlsapparates entgegenzuwirken beziehungsweise kooperativ rational und emotional zu denken – etwas was in der Kampfkunst und Achtsamkeitspraxis intensiv geübt wird.

Die Intuition ist immer wach, bei jeder Entscheidung, bei jeder Handlung, bei jeder Auseinandersetzung, in jedem Gespräch. Es ist unmöglich unintuitiv und unemotional zu sein. Aber genau das führt auch zu Schwierigkeiten. Die Welt ist alles andere als das, wie wir die Welt wahrnehmen. Kahneman spricht dabei von den naiven Realisten. Die Intuition, der Speicher aus all den gesammelten eigenen Erfahrungen neigt dazu, allzu rasch Situationen zu überbewerten oder gar falsch einzustufen beziehungsweise immer nur das zu wählen, was einem vertraut ist.

Intuition hat viel mit Empathie zu tun. Joachim Bauer spricht von den Spiegelneuronen, die unter anderem für das intuitive Wissen und Verstehen zuständig sind. Man kann jedoch nur das verstehen, was man emotional selbst erfahren hat. [2] Der Emotionsforscher William Ickes fand heraus, dass man mit Feedback die Intuition in der Kommunikation und Begegnung mit anderen deutlich verbessern kann. In der postmodernen, hyperkomplexen Welt ist es besonders relevant intuitiv geschult zu agieren und die intuitiven Fähigkeiten zu entwickeln, um nicht in der Flut von Eindrücken und Kommunikationswelten emotional zu ertrinken und falsche Entscheidungen zu treffen.

Die Intuition ist jedoch noch weit mehr als die Ansammlung von Erfahrung. Die Intuition schließt darüber hinaus an ein Bewusstseinsfeld an, dass in der Quantenphysik als Wirkungs- und Einflusspotential als Vorhanden gilt. [3] Zusätzlich muss bei der Intuition darauf Rücksicht genommen werden, dass die jeweilige Stimmungslage, wie auch die Erwartungshaltungen und Annahmen das intuitive Agieren stark mit beeinflussen. Und was die Selbsterkenntnis betrifft, da versagt die Intuition bei vielen. Das heißt, man spricht meist in einem illusorischen Optimismus über sich. Das hat selbstverständlich auch Folgen im Miteinander. Da hilft nur viel Achtsamkeitspraxis.

So gesehen ist es äußerst ineffizient, Intuition aus dem Wirtschaftsalltag auszuschließen. Intuition sollte als Entscheidungshilfe in das Wirtschaftsleben integriert sein, um erfolgswirksam und zukunftssicher agieren zu können. Es braucht das intuitive Verständnis und die rationale Analyse. [4]

 

 

[1] vgl. Ernst, Heiko: Intuition. Können wir unserem Bauchgefühl vertrauen?. In: Psychologie Heute. Weinheim: Julius Beltz Verlag. 03.2003. 
[2] vgl. Bauer, Joachim: Warum ich fühle, was du fühlst. Intuitive Kommunikation und das Geheimnis der Spiegelneurone. München: Heyne Verlag. 5. Auflage. 2006. S. 15f.
[3] vgl. Weigelt, Gela: Quantensprünge des menschlichen Bewusstseins. Petersberg: Verlag Via Nova. 2008. S. 88.
[4] vgl. Bauer, Joachim: ebd. S. 33f.

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