Männer klingen anders, …

Share this

Gender

 … Frauen auch [Erich Feldmeier, Günther Wagner 16.03.2012]

 

Die Forschung sagt, dass hohe, klare Töne eher distanzieren und tiefe Stimmen eher ein Gefühl von Einheit und Miteinander bewirken. [1] Aber auch leise und monoton klingende Stimmen kommen beim Zuhörer nicht gut an. [2] 

So hat Casey Klofstad von der Universität Miami in einem Versuch 17 Frauen und zehn Männer zwischen 20 und 60 Jahren folgenden Satz sagen lassen: “Ich bitte dich dringend, mich zu wählen”. Dann erhöhten oder senkten die Forscher die Stimmlagen elektronisch und spielten sie anderen Menschen vor.

read more

Das Ergebnis war eindeutig: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wollten lieber die Menschen mit den tiefen Stimmen wählen. [3] 

Diese, für Frauen oft unangenehme Wirkung liegt u.a. in unserer evolutionsgeschichtlichen Entwicklung begründet. Unser Innenohr hat dreimal so viele Haarzellen für hohe Stimmen und Töne als für tiefe. Dadurch tönen hohe Frequenzen für uns intensiver als tiefe. Die meisten Menschen auf der Erde haben hohe Stimmen (Frauen und Kinder) und werden von uns entsprechend intensiv wahrgenommen. Was jeder für sich, z.B. bei spielenden Kindern, auch schon beobachten konnte. Nur Männer scheren aus diesem Klangmuster aus. Sie liegen in der Regel eine Oktave unter der Stimmlage von Frauen. 

Warum die Natur Frauen mit einer solchen stimmlichen Dominanz ausgestattet hat, konnten bisher weder Biologen noch Evolutionsforscher abschließend beantworten. Aber wenn sie ihre Stimme erheben, bekommen sie oft den Stempel der Hysterie und des Keifens aufgedrückt. [4] 

 

Ein schöner Silberrücken kann auch stimmlich verzücken.

Unser Hör-Erlebnis wird aber auch durch die Klangfarbe und unsere Hör-Gewohnheiten geprägt. So führt eine entspannte Bauchatmung, welche die Stimme trägt, zu einer Bruststimme mit vollen Tönen. Eine solche ist resonanzreich, weich und samtig. Eine Brustatmung, zu welcher wir vor allem in Stresssituationen neigen, führt zu hellen Tönen, welche oft gepresst und unsicher wirken. Die stereotype Behauptung, Frauen würden eher zu einer Brustatmung neigen, ist so jedoch nicht haltbar. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, über wie viele Jahre sie in Korsetts gepresst wurden, womit eine Bauchatmung überhaupt nicht möglich war. 

Auch in diesem Jahr, pünktlich zum Internationalen Frauentag, wurde wieder eine hitzige und z.T. sehr emotional geführte Debatte angestoßen, ob nun endlich eine Frauen-Quote in Führungspositionen eingeführt werden solle. Von den Gegnern einer solchen Regelung wird häufig argumentiert, dass weniger kompetente Kandidatinnen qua Quote bevorzugt werden. Wir sollten aber langsam Anerkennen, dass Entscheidungen wahrscheinlich selten ausschließlich nach Kompetenz getroffen werden. “Piepsen oder Brummen – natürlich entscheidet dieser Faktor nicht allein über Karrieren.“ Aber die Ergebnisse der Studien von Casey Klofstad zeigen, dass man die Wahl von Führungskräften nur im Zusammenspiel mit biologischen Einflüssen verstehen kann. [5] 

„Frauen in Führung“ – ist wünschenswert. Auf dem Marktplatz der Eliten wird es aber eher selten zu einer objektiv richtigen Entscheidung zugunsten kompetenter Mitarbeiterinnen kommen, wenn nicht alle der Beteiligten wissen, dass sie subjektiv und unbewusst gefärbte Entscheidungen treffen. 

Ein Ausbrechen aus den stereotypen Rollenbesetzungen des Alltags ist daher für beide Seiten unbequem, wird aber auf längere Sicht zu einer neuen Vielfalt unserer Gesellschaft führen. Veränderungen, auch von Klang-Gewohnheiten, sind anfänglich unbequem. Führen aber in der Folge zu neuen Klang-Erlebnissen. Dazu bedarf es aber auch der Ausbildung von neuen Kompetenzen, nicht zuletzt naturwissenschaftlicher, um diesen gesellschaftlichen Wandel zu begleiten. 

Vor allem sollten wir im Sinne der Bio-Diversity achtsam die Stärken von Frauen fördern statt sie in ein Korsett an gesellschaftlichen Veränderungs-Erwartungen einzuzwängen. [6]

 

 

[1] Ingrid Amon: Die Macht der Stimme; Wien/ Frankfurt 2000; S.30ff
[2] Karin Hertzer: Sprich, damit ich dich sehe; Psychologie Heute; 04/2005
[3] http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/315219.html
[4] Ingrid Amon: ebenda
[5] Der Bass der Bosse, SZ, 14.03.12
[6] http://ed.iiQii.de/gallery/Querdenkerinnen/Tiefstapler_wikimedia_org 

reduce text